Wie finde ich das perfekte Snowboard?

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Eine neue Snowboardsaison steht vor der Tür und mit ihr die Qual der Wahl vor einer gigantischen Auswahl an Hardware und Zubehör. Um euch die Auswahl zu erleichtern und eine Übersicht zu schaffen hat treeline als Hilfestellung einen Snowboard kaufen guide erstellt.

Treeline 600 x 100

Beginnen wir mit dem wichtigsten und wohl auch schwierigsten Teil: Der Wahl des Snowboards. Hierbei sind vier wesentliche Punkte zu beachten:
– Körperliche Eigenschaften, also Größe, Gewicht und Schuhgröße
– Riding Level : Seid ihr Anfänger, fortgeschritten oder Profi?
– Riding Style : Fahrt ihr Freestyle, Freeride, All-Mountain oder seid ihr Jibber?
– Finanzen: Wie hoch ist euer Budget?

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal eins Snowboards ist sein Shape, also wie das Board geformt oder vorgespannt ist.

1.Camber:
Konkav gebogenes Board, bei dem sich die Schnee-Kontaktpunkte zwischen den Bindungen und zwischen den Enden des Boards befinden. Die Vorspannung verleiht dem Board mehr Pop (Power beim Abspringen, z.B. Olli) und Kantengriff.

2.Flat(base)
:
Nur Nose und Tail haben keinen Schneekontakt, das Körpergewicht des Fahrers wird auf die gesamte Fläche verteilt und die effektive Kante hat jederzeit Schneekontakt.

3.Rocker/Reverse Camber:
Konvex gebogenes Board, also eine negative Vorspannung, eignet sich perfekt zum Powdern oder zum Freestylen (je nach Shape). Die Schnee-Kontaktflächen unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Die einen Boards haben einen Rocker von Nose zu Tail, andere hingegen nur zwischen den Bindungen.

4.Triple Base Technology:
TBT ist wie folgt aufgebaut: An Nose und Tail ist das Board im Mittelstreifen leicht erhöht und fällt zu den Kanten hin ab (um rund 3°). Der Boardbelag ist also konvex, der Mittelteil zwischen der Bindung ist allerdings wie bei den meisten Board flach, damit das Board ruhig läuft und auch auf Rails und Boxen eine Top Performence ab legt. Das Beste ist das Fehlerverzeihende Fahrverhalten des Snowboards durch den an Nose und Tail konvexen Snowboardbelag.

Triple Base 600 x 558

Board-Länge
Los geht’s mit der Board-Länge, die von Nose bis zum Tail gemessen wird und oftmals auch Bestandteil des Boardnamens ist (z.B Academy Propaganda 156). Die Faustregel besagt, dass das Board etwa vom Fuß bis zum Kinn reichen sollte. Anfängern wird allgemein zu etwas kleineren Boards geraten, da diese wendiger sind und somit das Kurvenfahren erleichtern. Längere Boards (über die Nasenspitze) werden in der Regel zum All Mountain Fahren und Freeriden eingesetzt. Die Board-Bereite von in der Board-Mitte gemessen und muss zur Größe der Bindung und Boots passen. Ist das Board zu schmal bzw. die Boots zu lang bleibt der Fuß beim Kurven fahren im Schnee hängen. Die Effektive Kante ist die Länge der Kante, die bei Turns (=Kurven) Schneekontakt hat. Je kürzer die Kante, desto wendiger ist das Board. Eine kurze Kante bedeutet allerdings auch weniger Boardkontrolle bei hohen Geschwindigkeiten. Der Flex beschreibt den Härtegrad eines Snowboards und wird in der Regel auf einer Skala von 1-5 bzw. 1-10 angegeben. Anfängern wird ein weiches Brett empfohlen, da diese fehlerverzeihender und leichter zu steuern sind. Genauso wichtig wie die das Verhältnis zwischen Köpergröße und Länge des Boards ist das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Länge/Flex des Boards. Je größer und schwerer du bist desto länger und härter sollte das Snowboard sein. Wie bereits erwähnt muss die Schuhgröße zur Breite des Boards passen. Ab Schuhgröße 44 empfiehlt sich ein Wide-Board.

Board lange 600 x 299

Riding Style
Kommen wir jetzt zum Riding Style und der Wahl der richtigen Position der Bindung (Twin Shape, Setback usw.), einem weiteren maßgeblichen Faktor für eure Boardwahl. Hier dreht sich alles um die drei P’s des Snowboardens: Piste, Park und Powder.

Riding Style 600 x 299

 

1. All Mountain: Allroundvariante, die sich für alle Terrains anbietet und für Anfänger eignet. Recht einfach zu fahren und gut zu kontrollieren sind weiche All Mountain Boards mit kurzen Radien. Die Bindungen stehen hier meist mittig oder mit leichtem Setback nach hinten verschoben, damit die Nose etwas länger als das Tail ist. Meistens werden hier Directional Twin Tip Shapes eingesetzt, sprich Nose und Tail ist gleich aufgebaut und gleich hart, die vordere Bindung ist aber wie oben beschrieben leicht nach hinten versetzt.

2. Freeride-Boards: Hier sollte man sich nach einem langen Board mit viel Kantengriff umsehen. Hier sind die Bindungen so angeordnet, dass das Körpergewicht nach hinten verlagert wird (viel Setback), wodurch das hintere Bein im Tiefschnee entlastet wird. Zu dem ist die Nose meist leicht und weich gestaltet. Das Tail ist härter um mehr Kraft zu übertragen damit das Board trotz top Speed gut zu kontrollieren ist.

3. Freestyle-Boards: Meist symmetrisch geshaped, sogenannter Twin-Shape, bietet also die Möglichkeit vorwärts wie rückwärts zu fahren zu können. Nose und Tail ist hier genau gleich aufgebaut und die Bindung wird in gleichem Abstand montiert. Freestyle-Boards sind generell kürzer und breiter, sowohl Nose als auch Tail sind flacher und die Taillierung ist weniger ausgeprägt. Diese Eigenschaften machen Freestyle-Boards auch zu perfekten Anfängerboards.

4. Jib-Boards: Anfänger und Durschnittssnowboarder können sich das weiterlesen hier getrost sparen. Jib-Boards sind für den Einsatz auf Holz, Metall und Beton konzipiert und meist sehr kurz und mit speziellen Kanten gebaut. Diese Bauweise minimiert das Risiko auf Verkanten auf Rails und Boxen.

Bei der Einschätzung eures persönlichen Riding Levels solltet ihr ehrlich zu euch selbst sein und nicht übertreiben. Grade als Anfänger resultiert Hochmut in viel Frust und Ärger da ihr auf ein einfach zu fahrendes und eurem können entsprechenden Board zurückgreifen solltet. Für die Einsteiger unter euch bietet sich ein kurzes Board an, welches Turns und Kurvenfahren erleichtert. Für unsere Veteranen im Snowboardbusiness kommt es ganz auf den von euch gewählten Riding-Style an, für welches Board ihr euch entscheiden solltet. Last but not Least die alte Frage des Geldes – da es fast schon ein Überangebot auf dem Snowboardmarkt gibt, ist für jeden Riding-Style mit jedem Shape etwas dabei. Ein Tipp zum Schluss: ein teures Board heißt noch lange nicht, dass ihr damit besser fahren könnt – im Gegenteil, teure Boards Erfordern oftmals ein hohes Riding Level. Also seid ehrlich zu euch selbst, treeline.de hat das passende Board für euch. Los geht es bei Erwachsenen mit etwa 300€ für ein hochwertiges Board mit Holzkern.

Bindung
Kurz und knapp: die Bindung ist das Bindeglied zwischen dir und deinem Snowboard. Sie sorgt für die Kraftübertragung auf das Board und ist somit ein wichtiger Bestandteil eures Setups. Auch die Wahl der Bindung ist von ihrem Einsatzbereich (z.B. Freestyle, All-Mountain) und deinem persönlichen Riding-Level abhängig. Freestyler und Anfänger nutzen in der Regel weichere Bindungen, Freerider hingegen oftmals härtere, da diese eine direktere Kraftübertragung ermöglichen. Kommen wir zur Technik der Bindungen. Wie bereits erwähnt sollte eine Bindung bestmöglich auf Snowboard und Boot abgestimmt sein. Aus diesem Grund solltet ihr stets beim Bindungskauf eure Boots mitbringen und vor Ort anprobieren, um das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen. Die meisten Bindungen werden in den Größen S, M und L oder Doppelgrößen (z.B. M/L) angeboten, hin und wieder gibt es jedoch auch die Größen XS sowie XL. Neben ihrem Härtegrad und ihrer Größe unterscheiden sich die Bindungen vor allem in ihrem Bindungssystem, das heißt wie sich die Bindung öffnen und schließen lässt. Achtet unbedingt darauf, dass bei einer geschlossenen Bindung keine Druckstellen entstehen! Der Druck sollte gleichmäßig verteilt sein.

Die bekannteste und am weitesten verbreitete Bindung ist die sogenannte 2-Strap-Bindung. Hier werden Toe- und Ankle-Strap über Ratschen an der Außenseite geschlossen und geöffnet. Toe-Strap bezeichnet den „Gurt“, der die Vorderseite eures Boots in der Bindung fixiert. Der Ankle-Strap fixiert euren Fuß etwa auf Höhe des Knöchels in der Bindung. Bei der 2-Strap-Bindung müssen die Straps einmalig auf die Bootgröße eingestellt werden. Das Highback ist der Teil der Bindung, der sich von etwa der Ferse bis zur Wade erstreckt und euch die Kraftübertragung in Kurven ermöglicht.

Die 1-Strap-Bindung ist ein sogenanntes Speed-Entry-System, bei dem Ankle- und Toe-Strap miteinander verbunden sind und das öffnen und schließen somit erheblich erleichtern. Die Straps werden mit nur einer Ratsche bedient, was den Vorgang des öffnen und schließen verschnellert.

Heckeinsteiger mit einem Strap beschreiben ebenfalls ein Speed-Entry-System, bei dem der Einstieg von hinten erfolgt. Ein einziger Strap erstreckt sich über den ganzen Rist des Fußes und wird mit einer Ratsche eingestellt. Das sogenannte Highback wird hierbei nach hinten geklappt und ermöglicht so den Einstieg von hinten. Das erste Einstellen dieser Bindung erfordert ein wenig Zeit, danach geht der Ein- und Ausstieg umso schneller.

Heckeinsteiger mit zwei Straps haben eine Cinch-Bindung, das heißt durch das Öffnen des Highbacks lockert sich der Ankle-Strap und erleichtert so den Ausstieg. Schließt ihr das Highback, so zieht der Strap erneut an. Ein regulärer Einstieg über die Ratschen ist jedoch ebenfalls möglich.

Straps 600 x 609

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Bindung mit 2 Straps der „Klassiker“ ist. Wir empfehlen diese Art der Bindung, da sie das niedrigste Gewicht und die besten Anpassungsmöglichkeiten bietet. Zudem ist die Bindung frei von viel Mechanik was sich postiv auf die Haltbarkeit der Bindung auswirkt, da weniger kaputt gehen kann. Stellt man einmal die Straps, das Gaspedal und den Highback ein, heißt es losfahren und Spaß haben!

Boots
Der letzte Teil eines jeden Snowboard Setups ist der Boot. Hier steht an oberster Stelle, dass der Boot wirklich perfekt sitzt. Nichts ist schlimmer, als mitten im Schnee zu merken, dass der Boot nicht richtig passt und Blasenbildung euch das Leben schwer macht. Für den Kauf eurer Boots solltet ihr genug Zeit einplanen und eure Snowboardsocken mitbringen. Ganz wichtig: Nicht jedem passt jedes Modell. Probiert also genügend Boots aus und testet sie am besten gleich mit eurer Bindung. Bei eurer Bootgröße könnt ihr euch an eurer Schuhgröße orientieren. Solltet ihr die Spitze des Boots bei durchgestreckten Beinen leicht merken heißt das nicht unbedingt, dass der Boot nicht passt! Wenn ihr leicht in die Knie geht solltet ihr jedoch keinen Kontakt mehr zwischen Fuß und Bootspitze mehr haben. Das hat den einfachen Hintergrund, dass ihr beim Snowboardfahren stets leicht gebeugt steht und somit automatisch im Boot ein wenig nach hinten rutscht. Durch Testbewegungen kann man austesten wie viel Spiel der Fuß hat. Die Verse sollte fest sitzen und sich nicht nach oben bewegen können. Neben Bindung und Board unterscheiden sich auch die Boots in ihrem Flex. Während Freestyler eher weichere Boots bevorzugen greifen Freerider meist zu härteren Boots, die eine direktere und effektivere Kraftübertragung ermöglichen. Hauptunterscheidungsmerkmal der Boots ist jedoch die Schnürung. Diese kann man in drei Kategorien unterteilen.

Die Senkelschnürung
ist das klassische Schnürsystem und wird wie herkömmliche Schuhe gebunden. Im oberen Teil befinden sich Haken, die ein beliebiges Nachspannen ohne lösen der Schnürspannung ermöglichen. Bei der Boa-Schnürung erfolgt das Binden der Boots, mit geringem Kraftaufwand, über ein dünnes Drahtseil, welches an ein oder zwei kleinen Rädchen fixiert ist. Dreht man an den Rädchen so schnürt sich der Boot gleichmäßig zusammen. Durch Drücken der Rädchen löst sich das Drahtseil wieder.

Hierbei wird noch unterschieden zwischen Single-Boa Schnürsystemen mit einer Schnürzone und Double-Boa Schnürsystemen mit zwei Schnürzonen. Bei einer Single-Boa Schnürung sitzt das Rädchen meist an der Zunge und zieht den gesamten Außenschuh gleichmäßig zusammen. Ein Double-Boa Boot ermöglicht individuellen Spielraum, ihr könnt also genau anpassen wie fest welche Zone des Boots geschnürt sein soll. Ein Rädchen auf der Zunge schnürt den oberen Teil, ein seitliches Rädchen den unteren Teil des Boots. Beim sogenannten Speedlace System ( Fastlace, Fasttrack ) verwenden unterschiedliche Hersteller ihre individuellen, eigenen Systeme. Grundsätzlich wird der Boot mit nur einem Zug schnell und bequem geschnürt. Auf dem Markt sind Boots mit 1-Zone, in der ein Ziehgriff den gesamten Boot schnürt und das Schnürband anschließend in einen Blockiermechanismus eingehakt wird, sowie Boots mit zwei Ziehgriffen, die getrennt den oberen und unteren Teils schnüren und so eine genauere Schnürung ermöglichen.

Neben der Schnürung gehört die Dämpfung zum wichtigsten Bestandteil eines Boots. Diese schützt vor harten (ein-)Schlägen. Am häufigsten werden Kunststoff, Luft- und Gelpolster zur Dämpfung verwendet. Kombinationen dieser Techniken sind ebenfalls keine Seltenheiten. Falls euer Traumboot eine Kunststoffdämpfung hat, dann vermutlich entweder aus EVA (Ethylenvonylacetat) oder PU (Polyurethan). EVA ist leicht und flexibel, verformt sich allerdings bei extremer Kälte und kann so an Qualität verlieren. PU ist ein sehr langlebiger Kunststoff der auch bei extremer Kälte die Dämpfungseigenschaften voll beibehält, was sich jedoch auch im Preis wiederspiegelt, da PU teurer als EVA ist. Luftkissen werden entweder unter der Ferse, dem Vorderfuß oder in der gesamten Sohle eingearbeitet. Bei einer Bewegung wird das Kissen zusammengedrückt und die Dämpfung erfolgt. Gel befindet sich entweder in einzelnen Kissen in der Sohle oder in einem Ring im Fersenbereich, welcher die Ferse umschließt.

Kommentare 3

  1. Hallo,
    Ich muss sagen, das ist bei weitem der beste Artikel zum Thema „Snowboard kaufen“, den ich bis jetzt gefunden habe.
    Besonders zum Winkel der Bindungen habe ich mir schon öfters Gedanken gemacht, welche Einstellung zum Freeriden so am Besten ist.
    Danke auf jeden Fall für den Artikel – werde Ihn ein paar Leuten weiterempfehlen, welche grad auf der Suche nach einem neuen Board sind 🙂

    lg Alex

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